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Herbstbrief

In 2019 dominierte die Diskussion um Personalanhaltszahlen die fachpolitische Debatte. Tagesklinisch gab es wenig Kommentare dazu. Was noch aktuell relevant die Tageskliniken prägt finden Sie im Herbstbrief für alle Mitglieder der DATPPP.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

nun arbeiten Tageskliniken schon über 50 Jahre in Deutschland. Dennoch geraten wir immer wieder aus dem Blickfeld der fachpolitischen Wahrnehmung. Dort ist nämlich wieder Bewegung ins System gekommen. Nachdem bis Jahresende eine Entscheidung der Bundesregierung zur Personalbesetzung in psychiatrischen und psychosomatischen Kliniken getroffen werden soll, geht das Tauziehen los. Immerhin ist es uns gelungen, dass wir wenigstens im Reigen der sich solidarisierenden Fachverbände unsere Stimme mit abgeben.


Dabei ist die Frage der richtigen Personalbemessung nicht trivial. Um unseren Patienten größtmögliche Chancen zur Genesung zu ermöglichen, sollten möglichst viele bestens ausgebildete Fachkräfte eingesetzt werden. Ohne vollen Kostenausgleich für steigende Honorare gerät eine Tagesklinik aber auch sehr schnell an ihre Belastungsgrenze. Gegenüber den eigenen Verwaltungsvorgesetzten kann der Hinweis auf notwendiges Fachpersonal hilfreich sein, um Sparziele auf Kosten der Tagesklinik-Mitarbeiter abzuwenden. Was aber tun, wenn mangels Angebot gar keine Fachkräfte zur Verfügung stehen, wie schon heute in vielen ländlichen Regionen, und die Tagessätze gekürzt werden könnten? Macht die Unterscheidung in Subspezialisierungen bei Tageskliniken Sinn? Kinder- und Jugendpsychiatrische oder gerontopsychiatrische Einrichtungen haben sicher einen höheren Aufwand. Gilt das auch für psychotherapeutisch spezialisierte Tageskliniken, die sich z. B. besonders Traumafolgen, Essstörungen oder Zwangserkrankungen zuwenden? Und fallen dann nicht die schwer Erkrankten Patienten mit Schizophrenie, Manie und schweren Persönlichkeitsstörungen wieder hinten herunter?

Der Vorteil unserer Tageskliniken ist, dass wir diese Fragen schon immer klären mussten und flexible Antworten zu finden gewohnt sind. Teammitglieder können häufig mehrere Funktionen ausfüllen und für Vertretungszeiten finden sich Lösungen und Kooperationen.


Leider ist durch Personalmanagement und Kostenstruktur vielerorts die Personaldecke inzwischen recht ausgedünnt. Zur Diskussion dieser und andere fachpolitischer Fragen bleibt da wenig Zeit. Das betrifft auch die DATPPP. Nachwuchs für die Aufgaben des Vorstands zu finden wird schwerer. Die Ausrichtung des jährlichen Tagesklinik-Kongresses wird kaum noch durch Kollegen möglich sein.


Für 2020 hatten wir glücklicherweise eine engagierte Tagesklinikerin, die auch Ideen zum Thema und Erfahrungen in der Umsetzung innovativer Ansätze in ihrer Region mitbrachte. Mitten in den Vorbereitungen für den Kongress erkrankte aber ihr Chef schwer, so dass Sie, durch Vertretungen zeitlich eingeengt, ihre Zusage zurückziehen musste. Jetzt versuchen wir, zur gewohnten Zeit, vor dem ersten Märzwochenende, einen etwas verkleinerten Tagesklinik-Kongress in Westdeutschland zu gestalten. Auf der Homepage wird bald der wichtige Hinweis zu den Anmeldemöglichkeiten erscheinen.


Das weiter einzige tagesklinische Trainingsprogramm im deutschsprachigen Raum wird vermutlich ein letztes Mal von den Kollegen Diebels und Schmitz angeboten. Die Anmeldung kann über die Homepage erfolgen. Für Mitarbeiter, die neu in der Tagesklinik eingesetzt werden gibt es keine bessere Einarbeitung.


Tagesklinken haben vermutlich immer noch nicht alle Optionen und Chancen des teilstationären Vorgehens ausgeschöpft. Wir profitieren alle wir vom lebendigen Austausch unserer Mitglieder. Deswegen möchten wir Sie ermutigen über spezielle oder innovative Vorgehensweisen zu berichten. Der Austausch auf lokaler Ebene bietet Chancen zum gegenseitigen Verstehen und Ermutigen und kann über die Homepage der DATPPP deutschlandweit der gesamten Tagesklinik-Szene zugänglich gemacht werden.


Wenn wir kleine Zeitfenster auch zur Weiterentwicklung der eigenen Tagesklinik nutzen und unsere Erfahrungen ins Forum der gesamten Tageskliniken (Kongress, Homepage usw.) einbringen, erhalten wir unsere Lebendigkeit und Innovationskraft für eine humane, am Lebensalltag orientierte nachhaltige Psychiatrie und Psychosomatik.


In diesem Sinne wünsche ich ein erfolgreiches und frohes tagesklinisches Arbeiten,


Dr. Herald Hopf
Vorsitzender der DATPPP e.V.

DATPPP e.V.
Deutsche Arbeitsgemeinschaft
der Tageskliniken e.V.

Vorsitzender
Dr. med Herald Hopf
Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
Chefarzt der Tagesklinik Waldfriede und
Privatklinik Nikolassee

Geschäftsstelle
Stefanie Stalp
c/o Tagesklinik Waldfriede
Schmidt-Ott-Straße 9
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